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Die acht Ursachen von Feuchtigkeitsschäden: 7. Hygroskopische Feuchtigkeit

Stellt man eine Schale mit Salz für ein paar Tage offen in die Küche, fängt das Salz an zu verklumpen. Ein jeder von uns hat das Phänomen der Hygroskopie schon einmal beobachtet.

Wie kommt es dazu?

Das Salz bindet Feuchtigkeit aus der Luft, also die Luftfeuchtigkeit. Das daraufhin im Salz gespeicherte Wasser führt zum Verklumpen. Das war einfach, aber was hat das jetzt mit Feuchtigkeitsschäden in Gebäuden zu tun?

Auch in Gebäudewänden können Salze vorhanden sein. In alten Bauernhöfen und Stallungen war das Mauerwerk Jahrzehnte dem Unrat und den Fäkalien der Nutztiere ausgesetzt. Die darin enthaltenen Salze (Nitrate) sind in gelöster Form über Jahrzehnte vom Mauerwerk aufgesogen und eingelagert worden.

Aber auch Salze in Düngemitteln (Nitrate) und Streusalze (Chloride) sind häufig in Mauerwerken gespeichert.

Wird ein mit Salzen versetztes Mauerwerk einer hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, passiert das Gleiche wie mit der offenen Salzschale in der Küche. Feuchtigkeit wird von den Salzen gebunden und es kommt zu Feuchtigkeitsflecken, einem Feuchtigkeitsschaden.

Sind Salze generell schädlich?

Für den Menschen nicht, für das Haus aber umso mehr. Bauschädliche Salze sind große Schadenverursacher an Gebäuden.

Wie macht sich ein solcher hygroskopischer Feuchtigkeitsschaden bemerkbar?

Oftmals ist das Feuchtigkeitsbild ähnlich dem eines Schadens durch von außen eindringende Feuchtigkeit. Vielfach treten aber auch mitten auf der Wand, gerade bei zu Wohnzwecken umgebauten Stallungen und Bauernhäusern, Feuchtigkeitsflecken auf.

Was kann man dagegen tun?

Hier ist der Rat und die Begutachtung durch einen Sachverständigen zwingend erforderlich.

Besteht der Verdacht, dass der Feuchtigkeitsschaden auf Hygroskopie zurückzuführen ist, muss zuallererst die Art der Salzbelastung und der Salzgehalt festgestellt werden. Erst danach kann die Sanierungsmethode ausgewählt werden.

Die gängigsten Sanierungsmaßnahmen sind Salzsperren und Sanierputze. Unter Salzsperren versteht man eine eine Hydrophobierung der Oberfläche oder eine Abdichtung des Mauerwerks mit Dichtschlämme.

Diese Verfahren sollen verhindern, dass Luftfeuchtigkeit mit den Salzen im Mauerwerk in Berührung kommt. Die aufgebrachten Materialien dienen als Dampfsperre, die die im Mauerwerk vorhandenen Salze hermetisch von der Luftfeuchtigkeit abriegelt.

Eine häufig gewählte Sanierungsmethode ist das Verputzen mit Sanierputzen oder Opferputzen. Entgegen den Salzsperren, wird eine Berührung der Salze mit der Luftfeuchtigkeit bewusst in Kauf genommen. Die Salze werden in der Feuchtigkeit gelöst und aus dem Mauerwerk in die aufgebrachten Putze geschwemmt. Im Verdunstungsprozess bleiben die Salze in den großen Luftporen des Sanierputzes zurück.

Ist der Sanierputz gesättigt, wird der Putz entfernt, daher auch die Bezeichnung Opferputz. Hat sich in diesem Prozess der Salzgehalt im Mauerwerk auf ein Normalmaß reduziert, kann die Wand mit einem beliebigen Wandputz final versehen werden. Und die Ursache ist behoben.

Nächste Woche geht es mit unserer Serie rund um die möglichen Ursachen für Feuchtigkeitsprobleme zu Ende. Die achte Ursache ist Neubaufeuchtigkeit und ich hoffe Sie dazu wieder in unserem Blog begrüßen zu dürfen!

Lars Bobach

Sachverständiger für Feuchtigkeitsschäden an Gebäuden (DHBV)

Ich habe meinen ISOTEC-Fachbetrieb 2004 gegründet.  Meine jahrelange Erfahrung im Bereich Feuchtigkeits- und Schimmelpilzsanierung gebe ich hier im ISOTEC-Blog weiter. Die vielen erfolgreichen und nachhaltigen Sanierungen sprechen für die ISOTEC-Gruppe und die individuellen Sanierungskonzepte, die dahinter stecken.